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KulturistenHoch2 erhält Bundespreis der Stiftung „Lebendige Stadt“

 

Die vom Hamburger Unternehmer und Mäzen Alexander Otto gegründete Stiftung „Lebendige Stadt“ hat die Initiative „KULTURISTENHOCH2“ (KH2)  für ihr Engagement gegen Einsamkeit mit einem Bundespreis ausgezeichnet. Insgesamt hatten sich 373 Städte aus dem In- und benachbarten Ausland beworben.

Hamburg ist neben der nordrhein-westfälischen Gemeinde Kreuzau, Stuttgart und Weimar eine von vier ausgezeichneten Städten. Verbunden ist der Bundespreis mit einem Preisgeld von 5.000 Euro. Preiswürdig waren Projekte und Angebote, welche die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen fördern und sie aus der Einsamkeit holen. 

Laudatio durch Katharina Fegebank

Die Preisverleihung fand am 19.2.2026 bei der HANSA Baugenossenschaft im Beisein der Projektbeteiligten, vieler teilnehmenden SeniorInnen und Jugendlichen, sowie Projekt- und Förderpartnern statt.

Die festliche Veranstaltung wurde musikalisch von dem preisgekrönten Violinisten Pavel Mandić von Jugend musiziert e.V. begleitet.

 


Katharina Fegebank, 
Hamburgs Zweite Bürgermeisterin undKuratoriumsmitglied Stiftung „Lebendige Stadt“, in ihrer Laudatio:

„Die Initiative „KULTURISTENHOCH2“ zeigt, wie Generationen miteinander Brücken bauen können: Durch gemeinsame Kulturerlebnisse entstehen Nähe, Freundschaft und Teilhabe – ein starkes Signal gegen Einsamkeit in unserer Stadt.“   

KULTURISTENHOCH2 – eine Erfolgsgeschichte

Seit Start im Sommer 2016 konnte KH2 bis heute über 1900 Mal älteren benachteiligte Seniorinnen und Senioren mit ehrenamtlich engagierten Oberstufen-Schülerinnen und -Schülern von Hamburger Kooperationsschulen als Generationen-Tandems kostenlos gemeinsame Kunst- & Kulturteilhabe ermöglichen.

Teilnehmerin Karin Simon (86) ist seit 10 Jahren dabei und schwärmte vor rund 70 Gästen von den vielen schönen Kulturerlebnissen, die sie gemeinsam mit den Jugendlichen erleben durfte:

„Mit einigen früheren Schülerinnen bin ich außerdem schon seit mehreren Jahren im Kontakt. Das zeigt mir, dass wir im Alter nicht allein gelassen und als Gesprächspartner noch interessant sind.“


Jedes Jahr lernen die aktuell etwa 150 teilnehmenden SeniorInnen neue Schülerinnen und Schüler kennen. Gemeinsam erleben sie so Austausch, gegenseitiges Interesse und Zusammenhalt zwischen Jung und Alt.
KH2 wirkt in Hamburg nachhaltig und stiftet bei Jung und Alt Lebensfreude. 

Neustart nach Pause

Nach einer 18-monatigen Pause ist KH2 nun seit November 2025 wieder aktiv.
KH2 startete im Bezirk Nord und ist seit Juli 2025 auch in Wandsbek und Harburg aktiv. Weiter geht es nach der Sommerpause im Bezirk Mitte. In den folgenden Jahren soll KH2 wieder in allen Hamburger Bezirken präsent sein. 

Es war ein rundum gelungener und schöner Abend!
Teilnehmende
KH2-Tandems, Lehrende der Kooperationsschulen, einige der wichtigen KooperationspartnerInnen, VertreterInnen von Behörde und Politik und FörderInnen tauschten sich beim gemeinsamen Ausklang angeregt aus und konnten schon weitere Fäden knüpften.

Alle, die Teil der Initiative sind, dürfen stolz auf diesen Bundespreis sein.   🙏    Ein herzlicher Dank gilt Euch, liebe HANSA-Baugenossenschaft, für den schönen Rahmen, den ihr KH2 als langjähriger und treuer Kooperationspartner mit eurem Engagement ermöglicht habt!

Fotos:  „Lebendige Stadt“/ HANSA-Baugenossenschaft/KH2

Gerontologisches Training


Mit den noch recht frischen Eindrücken von der
KH2-Veranstaltung im Ernst Deutsch Theater trafen sich die neuen SchülerInnen des Projektjahres 25/26 an mehreren Tagen im Hartwig Hesse-Quartier in St. Georg. 

Jeweils eine Gruppe pro Tag erwartete ein ganz besonderer Workshop im Rahmen ihres neuen Ehrenamtes bei KH2: 

Ziel des „gerontologischen Trainings“ ist es, die SchülerInnen behutsam auf die Begleitung älterer und hochaltriger Personen vorzubereiten, um Berührungsängste im Umgang mit mobilitätseingeschränkten Personen abzubauen, einen Perspektivwechsel zu fördern und das Verständnis um die besonderen Bedürfnisse im öffentlichen Raum zu verbessern.  

Vorbereitung auf das neue Ehrenamt

Nach einem Einstieg und Input zu Risiken und Potentialen des Alters und Aspekten möglicher altersbedingter Einschränkungen, ging es nahtlos in den Praxisteil über. Die ReferentInnen der Hartwig Hesse-Stiftung veranschaulichten den TeilnehmerInnen Funktion und Handhabung von Rollstuhl und Rollator, vermittelten erste Informationen zum Handling auf Gehwegen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln und verdeutlichten, wie wichtig die Ansprache der Person im Rollstuhl ist – viele SchülerInnen hatten einen „Aha-Moment“, als sie im Rollstuhl sitzend unvermutet angekippt wurden.

Gemeinsam wurden die vielen unterschiedlichen Ausrüstungsteile des „GERT“, dem gerontologischen Testanzug, der seine TrägerInnen binnen weniger Minuten um Jahrzehnte die körperlichen Einschränkungen spüren und damit altern lässt, inspiziert und angelegt – eine 20 kg schwere Gewichtsweste, Gewichtsmanschetten für Hand- und Fußgelenke, Bandagen zum künstlichen Versteifen von Gelenken oder Spezialschuhe, die einen unsicheren Gang erzeugen und damit das Koordinationsvermögen einschränken. Besonders beeindruckten die Spezialbrillen, die unterschiedliche Augenerkrankungen simulieren und für eine starke Einschränkung und Eintrübung des Sichtfeldes sorgten.  

Mit Spannung durch den HVV-Parcours

Entsprechend ausgerüstet fanden sich nun die „gealterten” SchülerInnen zu kleinen Teams zusammen, wählten Rollstuhl, Rollator oder Gehilfen aus, um sich zunächst unter der professionellen Anleitung der Hartwig Hesse-MitarbeiterInnen draußen in einer kleinen Seitenstraße an ersten Hindernissen wie Bordsteinen und Kanten zu versuchen. Nach den erfolgreich absolvierten Übungen folgte der erste „Stadtparcours“: In Begleitung des KH2-Teams steuerten die SchülerInnen die Busroute zum Hauptbahnhof an. Beim Einstieg erfuhren alle schnell und eindrucksvoll wie mobilitätseingeschränkte Menschen den öffentlichen Busnahverkehr erleben: Unachtsame Passagiere, volle Busse, Zeitaufwand beim Ein- und Ausstieg und angewiesen sein auf fremde Hilfe, aber auch hilfsbereite Fahrgäste und Buspersonal. Nach einem Umstieg ging es zurück ins Quartier durch den Lohmühlenpark, in dem auf Bänken noch Unterstützung beim Umsetzen geübt wurde.

Nach einer verdienten Pause wechselten die Teams Material und Ausrüstungsgegenstände, um die Herausforderungen des U-Bahnfahrens zu erfahren. Erstes Hindernis: Treppen mit Rolli & Rollator? Geht nicht und ist nicht erlaubt – wo also ist der Aufzug, wo sind die Hinweisschilder? 

Dann die Orientierung auf den Bahnsteigen: Woran erkenne ich, in welche Richtung der Zug fährt, kann ich überall auf dem Bahnsteig mit Rollstuhl in die Waggons gelangen, gibt es Waggons, die mehr Platz haben und woran erkenne ich diese?
Die Route – wieder über den Hauptbahnhof, um von dort über unterschiedliche Ebenen den richtigen Zug zurück zum Ausgangspunkt zu finden. Fahrstühle finden, Ermitteln der richtigen Ebenen, lange Wartezeiten vor kleinen Aufzuganlagen. Die wichtigste Erkenntnis: Eine Person mit Rollator oder Rollstuhl muss deutlich mehr Zeit für den Weg einplanen und so auch die Begleitung.

Reflexion des Erlebten

Erschöpft, doch mit vielen Eindrücken im Gepäck, zurück im Quartier angekommen, reflektierte die Gruppe in kleiner Abschlussrunde: Wie ist das Erlebte einzuordnen, welche Aspekte berühren die altersbedingten Einschränkungen, welche Auswirkungen hat es für den eigenen Alltag und auf die kommenden Begleitungen der SeniorInnen.  Eine häufige Aussage:

„In Zukunft habe ich mehr Geduld, wenn ältere Menschen Bus und Bahn nutzen!“

Fazit: Alle TeilnehmerInnen haben viel mitgenommen, eigene Handlungsoptionen entwickeln können, um selbstbewusst und gestärkt Begleitungen zu Kulturveranstaltungen zu übernehmen. Die Vorfreude auf die ersten Begegnungen mit den SeniorInnen im Projekt ist groß. 

Das KH2-Team hat mit viel Freude den Einsatz der SchülerInnen an allen Tagen begleitet und dankt auf diesem Wege nochmals Lore Rampendahl, Angelina Henze, der Hartwig-Hesse-Stiftung, Charline de Almeida und Matthias Blümel für die fachliche Unterstützung, sowie der Hausleitung und dem Fach-Personal und natürlich Maik Greb für das Zurverfügungstellen des bestens ausgestatteten Gemeinschaftsraumes. Danke” auch an die AWO-Stiftung für einen zusätzlichen “GERT” und ein besonderer Dank
an das Sanitätshaus MPM für die großzügige Bereitstellung der Rollstühle, Rollatoren und Gehilfen.

Ein großes Dankeschön geht vor allem an alle SchülerInnen, die sich nicht nur engagiert, mit viel Neugierde und noch mehr Spaß den Herausforderungen stellten, sondern auch für das sehr positive Feedback für das Trainining – ein guter Start für das Projektjahr 25/26!